3. Vorbereitungsseminar

Eva und Claus berichten vom 3. Vorbereitungsseminar:

"Im dritten Vorbereitungsseminar, welches vom 7. bis zum 12. Juli in Nürnberg stattfand, haben wir uns unter anderem mit den Themenkomplexen „Kulturbewusstsein in der globalisierten Welt“, „Prävention von sexualisierter Gewalt“ sowie „Krisen- und Notfallmanagement“ beschäftigt. Dieses einwöchige Seminar war das letzte vor unserer Ausreise und wir haben ein letztes Briefing bekommen. 

Am ersten Tag starteten wir nach einer Begrüßung mit einem teambildenden Spiel und die Referentinnen haben uns eine Einführung in das Programm der nächsten Tage gegeben. Das beinhaltete am zweiten Tag die Themen „Kolonialismus“ und "Postkolonialismus". Wir durften auch selbst aktiv werden und haben eine Exkursion in die Nürnberger Innenstadt gemacht, dazu aber mehr in unserem Post „Spend a day with us“ auf Instagram. 

Am Mittwoch haben Mitarbeitende der Projektabteilung von jesuitenweltweit von ihrer Arbeit berichtet. Anschließend ging es mit verschiedenen Situationen weiter, die im Auslandsjahr passieren können, wie beispielsweise ein Unfall, Krankheit oder eine psychische Krise. Dann stand ein Workshop auf dem Plan. Wie kann man präventiv gegen sexualisierte Gewalt vorgehen? Dort haben wir gelernt, wie man sexualisierte Gewalt überhaupt erkennt, auch wenn es eigentlich keine universellen Symptome gibt. 

Am Abend durften wir uns noch mit einem ehemaligen JV über die LGBTQIA + Community austauschen und ihm Fragen stellen. 

An den nächsten beiden Tagen hatten wir einen externen Referenten zum Thema Interkulturelle Kommunikation. Bereits beim Vorstellen merkten wir, welche kulturellen Unterschiede bei solch simplen Dingen auftreten können: Denn wir erwarteten von ihm, dass er sich von selbst vorstellt, während er von uns erwartete, dass wir ihm Fragen stellen bezüglich dem, was uns interessiert. Dadurch entstand für uns ein unangenehmes Gefühl gemischt mit Irritation, welches aber während des Freiwilligendienstes für beide Parteien entstehen könnte. Der Referent hat die Gruppe vor folgendes Dilemma gestellt: er ist der Fahrer eines Autos und ist etwas zu schnell gefahren. Dabei passiert ein Unfall und man selbst als Beifahrer und gleichzeitig bester Freund soll sich nun positionieren, ob der Fahrer von einem selbst erwarten kann, vor Gericht für ihn auszusagen. Anhand dessen hat er uns gezeigt, dass die meisten Menschen, die einen Freiwilligendienst machen, nicht ihr eigenes Umfeld priorisieren und keinen Unterschied machen zwischen dem eigenen besten Freund und den anderen Beteiligten am Unfall. Danach zeigte er uns, dass unsere Vorurteile anderen Menschen, Kulturen oder Ländern gegenüber, auf unsere eigenen Werten basiert. An der Pinnwand verglichen wir unsere Werte mit unseren Vorurteilen oder allgemeinen deutschen / österreichischen Vorurteilen anderen Ländern gegenüber. Das bedeutet auch, dass jede Kultur andere Vorurteile gegenüber jeweils anderen Ländern hat. Am Ende seiner Vortragsreihe beendete er diese mit einem letzten Experiment. Wir bekamen die Aufgabe in drei Gruppen einen kleinen Kommentar von Rosen zu schreiben, welche wir auf dem folgenden Bild sahen. Aber auf dem Bild waren ein Strauß Tulpen zu sehen und nicht Rosen. Also schrieben wir im Aufgabentext, dass dort ein wunderbarer Tulpenstrauß zu sehen ist, weil wir dachten, dass er sich nur vertan hätte. Doch dies war Absicht. Er erklärte uns bei der gemeinsamen Besprechung, dass dies volle Absicht war und was es bedeutet, dass wir das Rosen/ Tulpen Problem direkt ansprechen und nicht umgehen.  

Zum Ende des Seminars kamen unsere Verwandten und Angehörigen anlässlich der Aussendungsfeier ins Büro von jesuitenweltweit. Zunächst haben sie eine Vorstellung der Projekte von jesuitenweltweit sowie Informationen zum Freiwilligenprogramm erhalten. Nach einem gemeinsamen Mittagessen haben wir unseren Aussendungsgottesdienst gefeiert. Er war sehr feierlich und unser Mitfreiwilliger Leo hat uns musikalisch begleitet."